Die Kartoffel, im Lungau „Eachtling“ genannt, hat in diesem Bezirk eine bewegte Geschichte hinter sich. War im 18. Jahrhundert noch die Bohne das wichtigste Nahrungsmittel, so wurde diese im 19. Jahrhundert allmählich vom Eachtling abgelöst.
So berichtet Kürsinger: „Erst gegen Ende des 18. Jahrhundert wurden die Eachtling im Lungau bekannt. Der erste Pfleger von Tamsweg, Ferdinand von Pichl, und der Pfarrherr Kröll von Mariapfarr haben den Bau von Eachtling durch Belehrung und noch mehr durch Beispiel im Lungau eingeführt und wurden hierdurch allein schon die großen Wohltäter des Gaues, deren Namen besonders in Missjahren schon oft hoch gepriesen wurden, denn der Eachtling ist nun allgemeialpinen n eingeführt und bildet neben der Bohne den nächstwichtigen Nahrungsartikel.“
Es hat also lange gedauert, bis der 1560 nach Europa gekommene Eachtling seinen Weg in den Lungau gefunden und sich hier durchgesetzt hat. Leichte, sandige Böden, die er besonders liebt, ein alpines Klima, wodurch Schädlinge, wie der Kartoffelkäfer erst gar nicht vorkommen, und die gefürchtete Kraut- und Knollenfäule in viel geringerem Umfang als anderswo auftritt. (Die Kraut- und Knollenfäule hat im 19. Jahrhundert in Irland zu großen Hungersnöten und Auswanderungswellen nach den USA geführt.)
So schreibt abermals Kürsinger: „Im Jahr 1845 baute Lerchner (Lessach) 25 Metzen Eachtling ein und erhielt 80 Metzen, folglich über das 3fache. Als ich hinkam, fand ich alles in üppigstem Wuchse, und der Eigentümer hoffte sich eine gesegnete Ernte besonders von den Eachtling, welche vorzugsweise auf Neubrüchen gut gedeihen. Die Cholera (Anmerkung: Kraut- und Knollenfäule) war damals noch nicht in den Lessachwinkel eingedrungen.“
Das typische Höhenklima des Lungaues und diese alpinen Böden bringen Eachtling von höchster gesundheitlicher und geschmacklicher Qualität. Es ist daher kein Zufall, dass die Lungauer Eachtling weitum ob ihres hervorragenden Geschmackes und ihrer Qualität gefragt, und oft schon im Februar/März ausverkauft sind.
Derzeit werden im Lungau ca. 150 ha Eachtling angepflanzt, ein Großteil wird als „Bio-Eachtling“ produziert. Der hohe Aufwand beim Eachtlinganbau und die oft schlechten Preise haben auch im Lungau dazu geführt, dass die Anbaufläche von 366 ha im Jahr 1959 auf rund 150 ha im Jahr 2000 zurückgegangen ist. Die verbliebenen Eachtlingbauern sind aber mit umso größerem Engagement darum bemüht, beste Qualität für zufriedene Käufer zu erzeugen.

